Rollenspiel 2
Einstieg durch die Wirtin: "Das könnts ja eh ehrenamtlich machen! Was ist eigentlich dein richtiger Beruf? Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Und: Was ist dein Beitrag zum Staat?"
Pro die Parole: 2 Personen
Contra: 3 Personen
Alle anderen sind BeobachterInnen von Inhalt, Emotionen, Rhetorik
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Auswertung der Rollenspiele
Was war gut/wirkungsvoll?
- Contras setzten viel konkretes Wissen über die Pros
- Gut, dass Pros nicht zusammengesessen sind
- Contras phasenweise Hegemonie!
- Pros persönlich einbinden: "Dein Junge ist Gitarrist", "Haben sie Kinder?" (wenn real keine persönliche Ebene bekannt ist, dann recherchieren, nachfragen)
- Inhaltliche Argumente, die wirken: dranbleiben!
- Pro musste Contra in einer Sache rechtgeben. Information macht es Pros schwieriger Allgemeinplätze zu zitieren.
Was ist zu vermeiden?
- Dass Pros immer am selben Argument reiten und diese Redundanz von den anderen jedesmal neu argumentiert wurde.
- Dass stille Pro, die sich inhaltlich für die Sache zu interessieren begann, aber nicht hereingeholt wurde.
- "Geh' jetzt tu nicht so!"
- Pros voneinander differenzieren, auseinanderbrechen.
- Konkretes, singuläres Sachwissen ist leichter zu vermitteln, als gegen Alltagstheoriewissen ("Das sind ja auch meine Steuergelder") anzugehen.
- Pros nicht ernstnehmen.
Die Schwierigkeiten im Umgang mit Stammtischparolen ...
- dass nicht inhaltlich argumentiert wird
- Pauschalverurteilungen
- Aggressivität
- dass unterschiedliche Ebenen der Gesprächskultur aufeinandertreffen
- personelle Übermacht
- Allianzenbildung
- fehlendes Zuhören
- dass man nicht im ganzen Kulturbereich ein absolutes Wissen haben kann
- Lautstärke
- Beleidigungen, Untergriffe
- Vorurteile
- Phänomen, dass alle mitreden (im Unterschied zum Sport z.B.)
- unklare Regeln
- Offenheit des Kunstbegriffes als solches (Vielheit des Begriffes wird auf Eindimensionalität reduziert)
- dass manche Kunstformen Vermittlung brauchen
- Diskussionsregeln werden nicht eingehalten (z.B. Ablenkung, Ebenen wechseln, ...)
- Die Parole sucht IMMER vereinfachte Lösungen
- bestehende gesellschaftliche Ungleichheit spielt immer "hinein"
- Harmoniebedürftigkeit: Stammtisch will sich einig sein -> Schwierigkeit dagegen zu stehen
- fehlende Bereitschaft zu ernsthaften Diskussionen
- automatische Verteidigungsposition
- Entwertung von ExpertInnenstatus
- mangelndes Wissen
- notwendige Komplexitätsreduktion
- Unsicherheit, fehlendes Selbstbewusstsein
- weniger massenmediale Unterstützung
- selektive Berichterstattung in Massenmedien
- Ort des Diskussion, Umgebung
- schwierig, Argumente zu positionieren, die Allianz der Pros nachhaltig zu durchbrechen
- Wortschwall (von verschiedenen Ebenen der Argumentation), der beeindruckend ist ("zumüllen")
- aufgrund des eigenen Geschmacks ein Urteil über Kunst fällen
Erkenntnisse Inhaltl. Argumente
- 12% der ArbeiterInnen arbieten im Kunst- und Kulturbereich
- Fragen stellen!
- ... % des Budgets geht an Kunst und Kultur (nur!)
- 1 h Drakenflug = Jahresgehalt einer durchschnittlichen Verkäuferin
- 1 x im Leben Laufen = Sport, 1 x im Leben Kunst machen = Kunst
- Kunst als Zeitdokument
- Kunst als Identität einer Kultur
- Genau nachfragen: Was meinst du jetzt genau damit? Auch provozieren (inhaltlich) - Flucht nach vorne
- Nicht versuchen, nett und freundlich und verständnisvoll zu sein -> sondern: offensiv, frech, witzig
- Im Fernsehen gibts auch viel Sch... Fernsehen abschaffen?
- Was ist für Dich Kunst?
- Ich finde das ist Kunst
- Angriff: "Das versteh' ich nicht!" Antwort: "Ich auch noch nicht. Ich bin aber neugierig. ich schaus mir zuerst an. Kommst mit?"
- Fakten und Zahlen unter http://www.zumutungen.at
- Kunstförderung von Kommunen bringt das 4 1/2-fache dessen ein, was investiert wurde
- andere subventierte Bereiche: Schule, Gesundheit, Strassen, ...
- JedeR ist einE KünstlerIn
- Das ist Kunst. Es gibt gute und schlechte Kunst.
- Vergleich (Grundlagen-)Forschung
- ICH mag das Bild
- Nachfragen, Fordern, nur über sachen spreachen, die der/die "Contra" auch selbst gesehen/gelesen hat.
- Psycho-Spielchen ("Kann der auch mal was Schönes machen?"
- Umwegrentabilität (Getränkeumsatz, Hotels, Gastronomie, ...)
Arbeitsgruppe subversive Strategien
- Sitzungordnung ändern
- "na, Dirnei" -> Ansprechen!
- Gerüchte aufbringen
- Markierung der Differenz
- Aufstehen / Körperhaltung
- "Bitte hol mir Wassser" - Appell an den (männlichen) Beschützer
- Ich, Dirnei, habe nicht zu sagen -> keine Kunst
- Positive Ettikettenübernahme
- Zeitunglesen, SMS schreiben
- "Ich bin auch so einer, den man nicht versteht"
- Eigene Konzentration auf Nebensächlichkeiten lenken
- Bei der eigenen Authentizität bleiben
- Affirmation
- ICH finde es interessant
- "Wollen wir keine Kunst - nur noch arbeiten und saufen?"
- Gehen! (aber: schwierig im Berufskontext)
- Keine Musik, kein Fernsehen, keine Filme, keine Kleidung
- Verfügung über die Zeit anderer ist Macht (Klo, Handy)
- Eigenpräsentation als ExpertIn
Arbeitsgruppe "Ein arbeitsloser Künstler ist ein arbeitsloser Künstler, eine arbeitslose Künstlerin ist Hausfrau"
Längere Debatte zu Chancengleichheit und Quoten, Linkhinweis zum Thema http://www.diequote.at
Hinweis:
Interessant erscheinen zusätzlich zwei inhaltliche Debatten, die in diesem Seminar nicht oder nur ansatzweise geführt wurden:
- Der Zusammenhang zwischen der nationalsozialistischen Diffamierung von Kunst als "entarteter Kunst" und heutigen Stammtischparolen
- Gibt es linke Stammtischparolen?

KUPFakademie / Mag.a Sabine Sölkner, Andrea Mayer-Edoloeyi. Mitarbeit bei der Konzeption: Dr. Stefan Vater.
| Anhang | Größe |
|---|---|
| Ablaufdokumentation Stammtischparolen Kunst und Kultur.pdf | 118.99 KB |

